Müll auf Korfu: Ein Problem, das uns alle angeht!

15.06.2018
Müll auf Korfu Griechenland
Das Foto entstand im Frühjahr 2018. Auf vielen Straßen stand der Müll auf Korfu.

Seit über 20 Jahren bringen wir als Reiseveranstalter Gäste auf die wunderschöne Insel Korfu. Manches ist gleichgeblieben, anderes hat sich im Laufe der Zeit verändert. Wunderschön ist die Insel immer noch. Damit das so bleibt, ist und war uns der Umweltschutz sehr wichtig. Es waren immer wieder Herausforderungen, wenn wir beschlossen, Dinge zu ändern, es anders zu machen als man es von Urlaubsanbietern kennt. So erhalten ReNatour-Gäste vor Ort seit vielen Jahren als Begrüßungsgeschenk eine Baumwolltasche, um unnötige Plastiktüten beim Shoppen während des Urlaubs zu vermeiden. In den Zimmern stehen Glasflaschen zum Wiederbefüllen an der Trinkwasserstelle. Der Müll wird getrennt, zum Teil kompostiert. Die Restaurants unserer beiden Anlagen haben einen eigenen Gemüseanbau, sodass Transportwege und Verpackungen erst gar nicht anfallen. Zu Saisonbeginn starteten wir immer wieder Müll-Aufräum-Aktionen, manchmal auch mit engagierten Gästen, die tatkräftig mit anpacken wollten. Aktuell testen wir verschiedene Varianten von Bio-Strohhalmen. Klingt nach einer Kleinigkeit, wenn man aber vor Ort sieht, wieviele Strohhalme in den Olivenhainen und am Strand herumliegen, kann man ahnen, dass besonders Kleinvieh Mist macht, wie auch der neue WWF-Mittelmeer-Report zeigt.

Eine neue Initiative ist das Corfu Compost Project und wir freuen uns, dass unsere Kompostierung im Honigtal dort vorgestellt wird.

Das Müllproblem auf Korfu belastet auch uns

Die Müllentsorgung auf Korfu bereitet uns Sorgen: In den letzten Jahren gab es zunehmend längere Perioden, in denen der Müll nicht mehr abgeholt wurde, weil die Kapazitäten der Deponie erschöpft waren. Eine Müll-Verbrennungsanlage gibt es nicht auf der Insel.

Eigentlich haben wir selbst kein Müll-Problem, denn in unseren beiden Ferienanlagen im Honigtal auf Korfu und in der Villa KaliMeera oder bei den vermieteten Ferienhäusern ist alles in Ordnung. Fährt man jedoch ins Landesinnere oder Seitenstraßen, wird das Problem deutlich. Wir sehen uns in der Verpflichtung, an einer Lösung mitzuarbeiten. Der Müll auf Korfu wird ganz wesentlich durch den Tourismus verursacht. Es handelt sich auch nicht um ein exklusives korfiotisches Problem. Mag sein, dass auf der Insel zu lange gewartet wurde, um entsprechende Entsorgungs-Anlagen zu bauen, aber zu viel Müll produzieren wir alle und überall.

Welche Erwartungen an uns als Reiseveranstalter haben Sie bezüglich dieser Problematik? Haben Sie Ideen, Anregungen oder Vorschläge zur Müllvermeidung, Müllentsorgung? Gibt es einen alternativen Weg?

18 thoughts on “Müll auf Korfu: Ein Problem, das uns alle angeht!”

  1. Georg Scherzer sagt:

    Für Korfu wäre ein komplexes Müllmanagment erforderlich , um hier eine dauerhafte Verbesserung zu bringen und einen naturverträglichen Tourismus zu garntieren, angefangen von Müllvermeidung über Mülltrennung u. -wiederverarbeitung bis moderner Müllverbrennung – und natürlich ein politischer Wille, der die Akteure auch entsprechend bezahlt.

  2. Volkmar Lemme sagt:

    Sicherlich ist das Müllproblem auf Korfu und soweit ich das aus einigen Artikeln im Internet verstanden habe in ganz Griechenland ein Grundsätzliches. Es gibt kein abgestimmtes Konzept, der Müll wandert zum größten Teil unbehandelt in unzureichend gesicherte Deponien und vergiftet so auf Dauer das Grundwasser und die Böden. Dennoch ist und bleibt das Grundprinzip immer 1. Vermeiden, 2. Wiederverwenden, 3. Behandeln und Deponieren.
    Zu 1. Vermeiden gibt es auch bei Renatour und grundsätzlich in Agios Georgios noch einiges Potential:

    Ich könnte mir vorstellen, das Renatour mit einigen Willigen (z.B. Gianni und George, Vistonia, Marias Snack Shack, etc.) einen „Agios Georgios“ Pfandbecher einführt (aus Bambus oder Kaffeesatz oder ähnlich (unzerbrechlich und wiederverwendbar)). Bei der ersten Bestellung kostet das dann einen Aufschlag, aber bei Wiederverwendung wird es preiswerter. Wenn man ein schönes Motiv verwendet ist das auch ein nettes Mitbringsel oder man kann den Becher am Ende des Urlaubs bei einem der Teilnehmer wieder abgeben.

    Limonaden die es derzeit bei Renatour in kleinen Flaschen gibt sind grundsätzlich auch in größeren Pfandcontainern erhältlich und könnten gezapft werden. Ich weiß nicht wie groß die Investition wäre aber die Anzahl an Flaschen ist nicht unerheblich, die hier über den Tresen geht. Da bin ich nicht sicher, ob die Umweltbilanz solcher kleiner Einwegflaschen nicht schlechter ist als wenn man hier sogar 1,5 oder 2 l PET Flaschen nimmt und ausschenkt. Also entweder Pfandflaschen (da ist gesichert das die auch abgeholt und wiederverwendet werden) oder gleich größere Gebinde, am Besten 10l Pfandcontainer.

    Wenn sich mehrere zusammentun könnte man die getrennte Abholung von Altglas oder PET selber organisieren. Bei größeren Mengen, die wirklich sauber getrennt sind, wird das ein Wertstoff. So wie momentan alles Recycling gemischt gesammelt wird, ist fraglich was damit passiert.

    1. Herzlichen Dank für die konstruktiven Ideen. Wir werden diese und etliche andere in den nächsten Wochen im ReNatour-Team besprechen, um herauszufinden, wo wir selbst noch Einsparpotential haben, um Müll zu vermeiden.

  3. Susanne sagt:

    Wir sind derzeit auf Korfu und entsetzt über die furchtbaren Müllberge überall. Wir machten einen kilometerlangen Spaziergang und kamen an allerlei Müll vorbei. Im Bereich der Müllberge liegen oft plattgefahrene, ausgetrocknete Ratten herum. Auf der anderen Seite in Sivota war dagegen alles sauber. Für uns eine Alternative .

  4. Michael Newiger sagt:

    Ich denke, dass nur ausbleibende Touristen eine Motivation zur Lösung des Müllproblems schaffen.
    Eine entsprechendes Feedback kann man z.B. an die Inselverwaltung senden.
    http://www.corfu.gr/web/guest/contact

    1. Volkmar Lemme sagt:

      Ich habe da auch schon was hinterlassen, bis jetzt ohne jegliche Reaktion, aber sicher nicht verkehrt wenn da möglichst viele mal eine Meinung abgeben. Danke für den link.

  5. Veto: „Mittler Weile wurden die Abfälle beseitigt.“ Kann schon sein, aber inzwischen (Stand: Juni 2018!) stapeln sich wieder Müllberge in den Dörfern, an den Sammelstellen davor und dahinter und an den Hauptverkehrswegen auf der gesamten Insel Korfu. Kein schöner Anblick und viel übler Gestank. Da kommt man auch mit ein wenig gut gemeinter Müllvermeidungstaktik nicht an den Kern des Problems. Sorry, träumt mal schön weiter …

    1. Peter Müller sagt:

      Stimmt nicht. Waren letzte Woche dort und das Problem ist nach wie vor nicht gelöst.

  6. Uwe sagt:

    Zuerst einmal sollte man über den Flaschenpfand nachdenken, den dieser würde den Müll drastisch reduzieren.

    1. Heiko sagt:

      Früher wurden Makkaroni oder Ziti als Strohhalme verwendet. Danach kochen ist auch kein Problem. Wasserfilter gibt es mittlerweile auf der Insel und auch togo Becher. Aber die Griechen und korfioten haben noch kein Bewusstsein dafür. Das sollte geschult werden. Dann kommt jeder auf die Idee das es so nicht weitergehen kann. Immernoch sehe ich hunderte Cafebecher über die Ladentheke gehen.

  7. Norea sagt:

    Auch mir liegt dieses Thema sehr am Herzen! Ich arbeite im Honigtal für ReNatour und bin dabei als ersten Schritt einen Shopping Guide für unverpackte Lebensmittel im Honigtal zu entwickeln. Da wünsche ich mir motivierte Urlauber und Einheimische, die bei der Entwicklung mitwirken wollen, um einerseits die genauen Bedürfnisse unserer Gäste zu kennen und andererseits gemeinsam etwas zu bewegen. Der lokale Minimarkt an der Ecke hat schon sein Interesse bekundet und seine Unterstützung dafür angeboten.

    Außerdem begrüße ich es sehr, einen Kompost auf unserer Anlage einzuführen und werde diese Idee anstupsen. Denn 40 % des Hausmülls hier auf der Insel ist organisch und kompostierbar.

    Ich bin ein großer Fan von Zero-Waste und Upcycling-Produkten. @ Lotte: Es gibt wieder verwendbare To Go-Becher, wie zum Beispiel vom Berliner Startup Kaffeeform. Das Besondere daran ist, dass sie unter anderem aus altem Kaffeesatz hergestellt werden. Eine Wiederverwertung von eigentlichem Abfall

    Die deutsche Infrastruktur in Sachen Müll ist nicht mit der korfiotischen zu vergleichen, dennoch ist es dringend erforderlich, dass etwas passiert.
    Nicht „Avrio“ (bedeutet „morgen“ auf Griechisch) wie man so oft hier hört, sondern JETZT!
    Freunde der Erde, es gibt viel zu tun und jede Form eurer Unterstützung ist mehr als willkommen!

  8. Tanja Trowitzsch sagt:

    Da ich mich als Greenpeace Aktive schon längere Zeit Gedanken über die Plastikvermüllung mache, habe ich weitere Vorschläge:
    Generell Coffee-to-Go Becher verbieten, denn Müll welcher vermieden wird, ist die Devise
    Keine Duschgel sondern Seife. Überprüfen, welche weiteren Plastikflaschen in der Kosmetik und Küche vermieden werden könnten. Es ist erstaunlich wieviel sich ersetzen lässt, wenn man ganz genau durch Küche und Badezimmer geht.
    Waschpulver selbst herstellen oder Waschnüsse verwenden, die Behälter für Waschpulver sind riesig.
    Weitere Vorschläge finden sich bei Greenpeace.de
    Übrigens bin ich ehrenamtlich aktiv – es geht mir nicht um Schleichwerbung, sondern es gibt viele Anregungen, welche sinnvoll sind.
    Ich freue mich, dass Ihr mit gutem Beispiel voran geht.
    Viel Erfolg

  9. Clemenz, Lotte sagt:

    Ganz konkrete Vorschläge: Kleine Kompostanlagen, um den Biomüll aus den Restmülltonnen zu entfernen (im Honigtal auf Korfu gibt es genau zwei Mülleimer: Restmüll und Recycelbares, von Biomüll keine Spur. Dabei wäre auf dem Gelände PLatz für Kompost, wenn auch wahrscheinlich geschlossenen Komposter wegen Ratten und Geruchsproblemen sinnvoller wären als offene…

    Zweite Idee: Mehrweg „Coffee to Go“ Behälter aus Bambus. Man kriegt selbst wenn man gar nicht gehen will fast immer einen Plastikbecher für jeden Frappé. Ihr könntet welche mit ReNatour-Logo bedrucken, oder einfach schön designte, zum Ausleihen für den Urlaub und auch zum Kaufen. Damit setzt ihr auch Denkanstöße, für die Gastronomiebesitzer dort, aber auch für die Gäste. Schließlich sind Coffee-to-go Becher auch in Deutschland ein Massenmüllproblem.

    Dritte: Die wiederbefüllbaren Glasflaschen und der Trinkwasserspender sind schon super und minimieren die gekauften Plastikflaschen sicher. Erweitern könntet ihr das noch um Mehrwegplastikflaschen die gut zu reinigen und nicht zerbrechlich sind. Denn wenn man mit Kindern am Strand unterwegs ist traut man sich oft nicht so richtig eine Glasflasche herumzutragen

    Falls möglich fände ich auch ein Engagement auf politischer oder medialer Ebene in Korfu toll, um ein Umdenken anzuregen weg von Plastiktüten und Einwegverpackungen.
    Gut, dass ihr mitdenkt!

    1. Hallo!
      Vielen Dank für die wertvollen Vorschläge. Wir werden die Anregungen aller Blog-Einträge sammeln und dann besprechen, was wir davon umsetzen können. Auch politisch überlegen wir uns auf lokaler Ebene einzumischen, zumal wir vor vielen Jahren damit schon einmal überraschend erfolgreich waren als es um illegales Ausbringen von Pestiziden aus der Luft gegen die Olivenfliege ging. Die Flüge wurden letztlich eingestellt.

  10. Berking sagt:

    Ich finde den Ansatz richtig, so wenig wie möglich Müll zu produzieren. Die Leute darauf hinzuweisen ist sehr wichtig. Nur wenige denken darüber nach, was mit dem ganzen Müll passiert. Aus Deutschland wird leider viel Müll einfach in andere Länder transportiert. Nach dem Motto, aus den Augen aus dem Sinn. Das kann keine Lösung sein!

  11. Meyer, Peggy sagt:

    Es ist sehr gut, was schon alles getan wird! Vielleicht könnte man auf die Medien setzen und den positiven Weg zur Müllvermeidung, den Renatour vor Ort geht public machen. Gibt es eine Insel-Zeitung, einen eigenen Fernsehkanal? Sie könnten mit ihrem Erfolg werben (ausgebuchte Zimmer?, weniger Kosten durch lokalen, plastikfreien Konsum) Könnte man sogar Schulungen anbieten für örtliche Hotelbesitzer? Einen Verein mit engagierten Bürgern gründen, die die Idee das ganze Jahr leben und ihren Bekannten-Kreis nutzen, um Werbung für Müllvermeidung zu machen? Wer möchte schon im Müll Urlaub machen? Auf Lastovo, welches auch im Renatour Programm ist, sind im Mai die Strände in den kleinen, natürlichen Buchten voller Müll. Es ist furchtbar! Dabei ist die Insel und ihre Bewohner einfach zauberhaft! Es gibt auf Lastovo eine lokale OFFENE! Mülldeponie in meeresnähe. Dort zerreißen die Möwen die Mülltüten und der Wind trägt das Plastik ins Meer. Dort muss auch dringend gehandelt werden! Es würden ein paar Windschutzzäune schon eine Menge bringen!. Herzlichen Dank, dass Sie sich engagieren, ich mache gerne mit!

    1. Hallo!
      Toll, wieviele Gedanken Sie sich machen, vielen Dank! Mit einer regionalen Zeitung auf Korfu stehen wir schon in Kontakt.
      Das Thema Müll auf Lastovo ist in der Tat sehr ärgerlich, da es wie Sie schreiben leicht wäre, eine Verbesserung herbeizuführen. Ein zweiter Grund dort ist jedoch, dass Müll aus Albanien und Montenegro angeschwemmt wird. Das ist Lastovo selbst dann machtlos.

      1. Heiko sagt:

        …und der Müll aus Albanien kommt teilweise aus Deutschland, ja wir verkaufen Müll nach Albanien weil wir nicht wissen wohin damit, und Albanien wirft den Müll in die Dörfer, hinter das Haus, oder einfach auf die Felder.

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