Wir brauchen den deutsch-türkischen Austausch

02.03.2018
Brigitte blickt optimistisch in die Zukunft der Türkei
Brigitte blickt optimistisch in die Zukunft der Türkei

Vor 20 Jahren eröffnete Brigitte mit ihrem Mann Ferruh ein kleines Landhotel im Südosten der Türkei am Ägäischen Meer. Zwei Jahre arbeiteten Handwerker, die über das Wissen eines fast vergessenen Handwerks verfügten, nämlich Natursteine zu verbauen, zusammen mit den Dorfbewohnern von Farakya an der Entstehung der ehemaligen Wassermühle. Das Ziel von Brigitte und Ferruh war von Anfang an, nachhaltige Materialien zu verwenden – sowohl im Außenbereich als auch bei der Einrichtung, sorgsam mit der Umwelt umzugehen, die Dorfbewohner einzubinden, einen deutsch-türkischen Austausch zu pflegen und den Gästen frische, regionale türkische Speisen zu servieren. Das ist gelungen.

Jetzt wollte sich Brigitte zurückziehen, aber die aktuelle Lage lässt es noch nicht zu. Sie fühlt sich dem Ort und den Menschen verbunden und möchte in den schwierigen Zeiten in der Türkei nicht einfach ihr Lebenswerk hinter sich lassen.

Brigitte, herzlichen Glückwunsch zum 20jährigen Jubiläum. Welche Gedanken kommen dir, wenn du die Zeit Revue passieren lässt?
Ich fühle in erster Linie Dankbarkeit. Dass wir und die Dorfbewohner in Frieden und in einer intakten Umwelt leben können. Bevor wir das Hotel bauten, gab es in diesem Dorf nichts außer Ziegen und Schafe. Die ökonomische Lage der 150 Dorfbewohner hat sich in den Jahren verbessert. Es sind ja nicht nur die Angestellten mit ihrem regelmäßigen Gehalt, die vom Hotel und den Gästen profitieren, sondern auch Händler, die uns beliefern, Taxifahrer oder der ansässige Supermarkt. Ich denke, wir konnten etwas Positives für die ganze Dorfgemeinschaft bewirken.

Auf der anderen Seite freut es mich auch sehr, wenn ich unsere Gäste beobachte. Sie kommen gestresst aus ihrem Alltag an und nach zwei, drei Tagen werden sie entspannter und gelassener, laufen langsamer zum Buffet und lachen mehr. Sie sehen dann gleich viel hübscher aus.

Die vergangenen zwei Jahre waren schwierige. Die politische Situation in der Türkei führte dazu, dass die meisten Urlauber der Türkei den Rücken kehrten, sich für andere Reiseziele entschieden. Wie ist es euch ergangen?
Unsere Gäste reagieren natürlich sehr sensibel auf die politische Situation. Das Hotel war in dieser Zeit nur zu 25 Prozent ausgelastet und unsere Stammgäste und einige Ersparnisse haben uns über Wasser gehalten.

Wie haben die Stammgäste den Aufenthalt erlebt?
Sie reisten mit gemischten Gefühlen hier an, weil sie sich in Deutschland schon kaum trauten zu sagen, dass sie in die Türkei reisen würden. Aber als sie hier ankamen, stellten sie erleichtert fest, dass sich gar nichts verändert hat und es wie immer ist.

Du hast von Angang an deine Beschäftigen aus dem Dorf gewählt. Wie geht es den Menschen vor Ort?
Die Dorfbewohner leiden keine Not. Es ist hier nicht so wie in den großen Tourismuszentren, die zum Teil geschlossen wurden. Unsere Leute können sich auch selbst versorgen, sie haben einen Garten und nach wie vor ihre Ziegen und Schafe. Eng wird bei manchen beispielsweise die Finanzierung der Schulbildung ihrer Kinder.

Das ist ja auch der große Vorteil des nachhaltigen Tourismus, der übrigens seit einigen Jahren intensiv von der örtlichen Regierung unterstützt wird. Wir haben jetzt Mülltrennung, es gibt eine Kleidersammlung und die Wanderwege werden weiter gepflegt und ausgebaut.

Dein ursprünglicher Plan war, dass du dich jetzt zurückziehst. Du hast dich anders entschieden, warum?
Ich habe hier meinen Lebenstraum verwirklicht. Mir ist es sehr wichtig, dass es weitergeht mit diesem Projekt. Ich bin jetzt 70 Jahre, habe aber noch Kraft und Gesundheit, mich weiterhin hier einzubringen. Ich glaube daran, dass es dem Land wieder besser gehen wird. Tourimus ist ja auch ein Austausch, den wir in diesen Zeiten besonders brauchen. Es lohnt sich das Land zu bereisen. Gäste lernen die türkische Kultur kennen und die Türken die deutsche Kultur. Beide können voneinander lernen und sich weiterentwickeln.

„Ich  möchte Roland und dem ganzen ReNatour-Team  herzlich für die Unterstützung und Solidarität danken;  sie hat uns  dabei geholfen, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen – (was sonst….)“

 

Brigitte freut sich mit allen Menschen in Faralya und Umgebung über Gäste, die die unberührte Natur und die paradiesische Ruhe genießen möchten. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums gewähren wir 10 Prozent Rabatt.

https://www.renatour.de/lykien-hotel

 

 

 

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