Auf dem Land- und Wasserweg nach Korfu – ein Erfahrungsbericht

09.01.2020
Auf dem Land- und Wasserweg nach Korfu/Griechenland
Auf dem Land- und Wasserweg nach Korfu/Griechenland

Sybille Streicher (51), verheiratet, 3 erwachsene Kinder, Mitgründerin von ReNatour, reist von Nürnberg mit dem Zug und der Fähre nach Korfu, um dort an der „Reise zur Olivenernte nach Korfu“ teilzunehmen:

Um von meiner Heimatstadt Nürnberg nach Korfu und zurück zu kommen, wähle ich ganz bewusst die erdgebundene Anreise, was mit insgesamt drei bis vier zusätzlichen Tagen und vielen weiteren Eindrücken verbunden sein wird. Ich denke, darüber gibt es keinen Zweifel: Mit dem Flugzeug geht es auf dieser Strecke schneller und billiger.

Ohne Flugzeug nach Korfu reisen

Als wir vor 25 Jahren ReNatour gründeten, war das Interesse unserer Gäste an „Mit-Bahn-und-Fähre-nach-Korfu-fahren“ größer als heute. Warum das so ist, weiß ich nicht mit Sicherheit. Vielleicht liegt es daran, dass wir vor 25 Jahren, als Pionier für umwelt- und sozialverträgliches Reisen, anfangs den deutlich kleineren Kreis von naturverbundenen und nachhaltig denkenden Urlaubern, den „harten Kern“, ansprachen oder daran, dass Flüge teurer waren. Oder suchten mehr Menschen, oft Familien, das „Abenteuer“ der Anreise mit Bahn und Fähre als Teil des Urlaubserlebnisses?

Im Gegensatz dazu scheinen in den letzten Jahren oft andere Gründe vorrangig die Entscheidung für den Flug zu bestimmen: Günstige Flugpreise, schneller vor Ort sein, weniger Urlaubstage nehmen, öfters pro Jahr verreisen, einfacher mit Kindern zu bewerkstelligen…

Aber ist das wirklich so?

Es ist mir ein großes Anliegen, die erdgebundene Anreise auf die beliebte Urlaubsinsel Korfu auf Machbarkeit, Verhältnismäßigkeit und als Teil des Urlaubs zu erfahren und darüber zu berichten. Ich bin jetzt 51 Jahre alt, ich reise allein mit dem Zug ca. 1600km von Nürnberg über München und Bologna nach Brindisi. Von dort geht die Fähre über Nacht nach Igoumenitsa und dann noch eine kurzes Fährstück rüber nach Lefkimmi bzw. Kerkyra, wo ich abgeholt werde.

Ein Beispiel: Meine ganz persönliche Anreise nach Korfu

Meine Planung: Ich fahre an einem Donnerstag Mitte Oktober um 8:12 Uhr von Nürnberg Hbf. nach München, wo ich für den Umstieg aufs Nachbargleis 17 Minuten Zeit habe. Mit einer direkten Verbindung und reserviertem Sitzplatz erreiche ich Bologna um 16:19 Uhr. Die Stadt möchte ich ein wenig ansehen und habe dafür im Vorfeld einen persönlichen Guide für 3 Stunden (75 Euro) gebucht. Für die Übernachtung habe ich ein B&B in der Nähe des Bahnhofs gebucht und fahre am nächsten Tag, Freitag, um 11:45 weiter nach Brindisi, Ankunft 18:21 Uhr. Mit dem Taxi zum Fährhafen und um 20 Uhr geht es dann auf die Fähre, die um 21 Uhr abfährt. In meinem Fall mit „Grimaldi Lines“ erreiche ich am nächsten Morgen um 5:30 Uhr Igoumenitsa. Ich habe für diese Nacht eine geteilte 4-Bett Kabine mit anderen Frauen gebucht. Zu der späten Jahreszeit kann es aber durchaus möglich sein, dass die Kabine nicht voll belegt ist. In Korfu-Stadt werde ich mit dem Auto abgeholt und erreiche meine Unterkunft in einer knappen Stunde.

Die Durchführung:

Donnerstag

Die Verbindungen von Nürnberg nach München und weiter nach Bologna klappen problemlos. Alle Züge sind pünktlich. Allerdings sind die Bahnsteige in München lang und ich beeile mich.

Zwei Damen, mit denen ich ins Gespräch komme, erzählen mir, dass sie immer schon mit der Bahn verreisen und dass es mehr solche Urlaubsangebote geben sollte. Wie in all diesen Gesprächen, fallen alle “für und wider Bahn/Flug”- Argumente und es bleibt die (bekannte) Erkenntnis, dass das eigentliche Reisen eben auch die bewusste, langsame Anreise ist.

Auf der Höhe von Kufstein gibt’s ein entspanntes Müsli-Frühstück, das ich von zu Hause mitgenommen habe. Ich bin jetzt alleine im Abteil. Die Strecke führt u.a. über Innsbruck, Brenner, Bozen, Rovereto und Verona nach Bologna. Die Sonne scheint und ich kann mich gar nicht an den Bergen und dem satten Grün im Trentino satt sehen.

Am Brenner müssen wir eine Stunde warten, da das italienische Personal, das den Zug übernehmen soll, selber in ihrem Zug Verspätung hat. Wir werden per Lautsprecherdurchsage auf die Formalitäten bezüglich Ticketgültigkeit, Anschlüsse etc. hingewiesen.

Meine Entscheidung im Vorfeld, den Abend in Bologna zu verbringen, war richtig und die eine Stunde Verspätung nehme ich hin. Meine online gebuchte Stadtführung werde ich trotzdem pünktlich erreichen.

Die Stadtführung war perfekt für meinen kurzen Aufenthalt. Es war (k)eine professionelle Führung; es wurde als Spaziergang mit einem Einheimischen angeboten (3 Stunden für 75 Euro). Ich wurde bei meiner Unterkunft abgeholt vom 27 jährigen Will, Straßenmusiker, Produzent, ein aufgeschlossener und freundlicher Typ, der mit ganz viel Spaß und Einsatz in zügigem Lauftempo mir wirklich viel von „seiner“ Stadt zeigte und spannende Geschichten zum Besten und mir das Gefühl gab, die Stadt wirklich ein bisschen kennen zu lernen.

Meine Unterkunft ist ganz ruhig gelegen, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Mit einem Frühstücksbon kann ich aus 2 Cafés auswählen und bekomme einen Cappuccino und 2 Croissants. Perfekt. Ich habe noch 2 Stunden Zeit, bis ich auschecken muss, also lasse ich mein Gepäck im Zimmer und gehe, vorbei am großen Wochenmarkt, noch einmal in die Stadt.  Vor allem die Basilika San Petronin kann ich heute früh auch innen besichtigen. Kostenlos.

Bologna habe ich, auch in nur wenigen Stunden, als quirlige, interessante und absolut sehenswerte Stadt wahrgenommen. Cafés gibt es an jeder Ecke.

Freitag

Mein Zug nach Brindisi geht um 11:45 pünktlich und kommt auch pünktlich an. Die Fahrt ist sehr angenehm und auffällig ruhig, obwohl der Zug augenscheinlich zunächst voll besetzt ist. Ich sitze auf der “Meer-Seite”, schaue und lasse meine Gedanken schweifen, lese, höre Musik, trinke einen Cappuccino im Bistrowagen und schwupps, bin ich in Brindisi.

Hier stehen Taxis vor dem Bahnhof und der Festpreis von 20 Euro kommt mir zunächst viel vor, dann aber angesichts der abgelegenen 4-5km langen Strecke, der späten Uhrzeit mit immer mal streunenden Hunden in Hafennähe (Aussage des Taxifahrers), doch eine gute Investition.

Beim Grimaldi-Ticketshop tausche ich meine Bestätigung von zuhause gegen ein Ticket ein. Der Weg zur Fähre ist jetzt, fast Ende Oktober, ungewohnt leer und einsam. Keine weiteren Fußgänger sind zu sehen, dafür aber etliche LKW-Fahrer, die in ihren Autos warten. Also laufe ich, wie mir gesagt wurde, immer den markierten Fußwegen entlang und gehe an Bord.

Meine gebuchte Kabine belege ich tatsächlich alleine; das ist der späten Jahreszeit geschuldet und passiert in der Hauptsaison kaum. Ganz ehrlich, es hätte mir etwas besser gefallen den Abend und die Nacht an Bord mit Familie oder Freunden zu verbringen als alleine. Aber das Beobachten der Karten spielenden, lachenden und diskutierenden griechischen und italienischen LKW-Fahrer, die sich offensichtlich schon von anderen Überfahrten kennen, war irgendwie auch nett, zu sehen. Also trank ich ein Glas Wein, aß einen griechischen Salat (gut!) und ging früh in meine Kabine.

Im Übrigen war auch die Deckpassage mit den sogenannten Pullmann-Sitzen bis auf ein, zwei Leute leer. Mit etwas Flexibilität hätte man da zu dieser Zeit auch ganz gut und billig ruhen können.

Anmerkung: Immer wieder ist es notwendig, ein paar Treppenstufen oder auch ganze Treppen zu laufen (B&B, Bahnhof, Fähre). Unhandliche Taschen sind da ungeeignet. Auch das schöne Pflaster in der sehenswerten Altstadt von Bologna ist mit einem schlechten Rollenkoffer beschwerlich. Das sollte bei der Auswahl des Gepäcks berücksichtigt werden bzw. im Vorfeld überlegt werden, wo das Gepäck geschickt und sicher untergestellt werden kann. Ich habe zwar sehr “kompakt” gepackt, aber mein Koffer war mir eigentlich zu schwer. Die Gepäckabteile in den Zügen sind gut und das Personal auf allen Zügen sehr hilfsbereit.

Samstag

Ich habe sehr gut geschlafen. Die Fahrt war ruhig. Früh, in meinem Fall um 4:30 Uhr (was gestern noch 3:30 gewesen wäre ;-)), werde ich mit einer scheppernden Lautsprecherstimme geweckt bzw. darauf hingewiesen, dass man rechtzeitig vor Ankunft in Igoumenitsa die Zimmer verlassen muss. Nur wenig später stehe ich in der Schlange am Kiosk, um einen “Cappu” zu bestellen. Und der ist echt super, zum Glück!

Mit dem Kaffee in der Hand gehe ich in den Außenbereich. Es ist zu dunkel um diese Zeit, um Fotos zu machen, aber das Gefühl von “wow, ich bin weit weg von zu Hause” ist sofort da.

Um 5:30 legt die Fähre in Igoumenitsa an und ich laufe zügig mit einem Ortskundigen mit, der mir zeigt, wie ich am schnellsten zur Korfu-Fähre komme. Nun ist der Weg vom Anlegehafen der Grimaldi-Lines quasi direkt neben der Korfu-Fähre, aber wegen des Verlassens des Internationalen Hafens durch eine Absperrung getrennt und es gibt nur einen umständlichen Weg ca. 1-2km um ein großes Gebäude herum und zurück, was zur Folge hat, dass wir erst die nächste Korfu-Fähre erwischen und die Wartezeit von 2 Stunden im Hafenbereich morgens um 6 sich etwas hin zieht. Die Überfahrt nach Korfu ist klasse. Sonnenaufgang, guter Kaffee, saubere Toiletten und dieses Hochgefühl, dass sich in mir meldet, dass ich im Großen und Ganzen eine wirklich schöne und funktionierende Anreise auf dem Landweg habe, Bedenken überwunden und nette Begegnungen gemacht habe. 

Nach meiner Ankunft in Korfu-Stadt, werde ich von ReNatour Mitarbeiter Aias abgeholt, der sowieso auf dem Weg aus dem Norden ist. Üblicherweise findet die Abholung mit dem Taxi statt. Übrigens habe ich gelernt, dass alles nördlich von Korfu Stadt “der Norden” und südlich “der Süden” ist. Aias überrascht mich mit einer leckeren Spinattasche, was nach der Fährfahrt und Wartezeit am Morgen gut tut.

Mein Weg geht in die Villa KaliMeera, wo ich vom Team begrüßt werde, bevor ich zu meinem Zimmer gebracht werde. Ich kenne die Anlage ja gut und bin trotzdem jedes Mal begeistert. Der Blick aufs Meer ist ergreifend und die Ruhe, die die Umgebung ausstrahlt, phänomenal. Ankommen, Auspacken und Wohlfühlen.

Zur Rückreise/Nachtrag:

Die Rückreise zurück nach Nürnberg machte ich zusammen mit meinem Mann und meinem Sohn, die ich auf Korfu traf.

Mit unserem Mietwagen fuhren wir am frühen Nachmittag mit dem Auto von unserer Unterkunft nach Korfu-Stadt und mit der Fähre (Ticket vor Ort am Tickethäuschen) in ca 1 ¾ Std. nach Igoumenitsa. Die Altstadt von Igoumenitsa ist wirklich nett und wir fanden ein gemütliches Lokal, um ein letztes Mal typisch griechisch Abend zu essen.

Mit einem Taxi, das wir per Handzeichen anhielten, fuhren wir ein kurzes Stück zum Fährhafen. Zu dritt hatten wir für die kommende Nacht eine Innenkabine gebucht. Wir waren alle müde und die Nacht auf See zwischen Igoumenitsa und Ancona war ruhig und erholsam. Nach ca. 15 Stunden erreichten wir Ancona. Die ca. 2km durch die wirklich hübsche Altstadt sind wir mit unserem Gepäck gelaufen; es gibt aber auch öffentliche Busse oder Taxis. In der Nähe des Bahnhofs gibt es viele kleinere Restaurants/Kneipen und wir befriedigten unsere Lust auf Pizza und Pasta direkt gegenüber vom Haupteingang des Bahnhofs bei einen guten Italiener.

Die Zugfahrt von Ancona nach München war weniger erholsam. Wir verbrachten die Nacht sitzend zu fünft im Abteil und es war nur gelegentlich möglich, zu schlafen.

Das war uns bei der Planung bewusst und wir haben es zugunsten einer schnelleren Ankunft zuhause in Kauf genommen.

Mein persönliches Fazit:

Die unterschiedlichen Wege bei der An- und Abreise zeigen auf, wie wichtig es ist, sich über die eingangs angesprochenen Fragen Gedanken zu machen, vor allem aber wie entspannt man reisen und wo die Nacht verbringen möchte und wieviel Zeit zur Verfügung steht.

Für mich war die Anreise ein durchweg positives Erlebnis, eine wertvolle Zeit für mich mit interessanten Beobachtungen und Begegnungen, vielfältigen Landschaften und Wetterbedingungen und am Ende der Erkenntnis, dass ich diese Vielfalt so nicht erlebt hätte, wäre ich geflogen. Vor allem aber zeigt diese erdgebundene Art zu reisen auf, dass auch entferntere europäische Destinationen durchaus verträglicher erreicht werden können, als mit dem Flugzeug. Mir persönlich war es wichtig, hier auf den Flug zu verzichten und dies entspannt nach Korfu geschafft zu haben, erfüllt mich mit großer Zufriedenheit und etwas Stolz.

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3 thoughts on “Auf dem Land- und Wasserweg nach Korfu – ein Erfahrungsbericht”

  1. Maren sagt:

    Liebe Sybille,
    Deinen Bericht zur alternativen Anreise finde ich klasse! Ich selbst bin keine große Flugliebhaberin und wenn man an die Umwelt denkt, dann erst recht nicht.
    Ich war noch nie auf Korfu und könnte mir es nach vielen Überlegungen doch vorstellen, sogar die Anreise per Bahn und Zug als Alleinerziehende mit einem Kind.
    Allerdings gibt es an der ganzen Sache (bei Reisen ins Honigtal etc) einen großen Haken: im Hochsommer (August) ist Korfu mir selbst zu heiß und mit einem schulpflichtigen Kind heißt das, wenn dorthin, dann in den Osterferien oder Pfingstferien.
    Jedoch ist der Anreisetag dort festgelegt auf einen Samstag und wenn die Ferien nun zwei Wochen dauern, dann ist eine solche Anreise aufgrund der Dauer schlichtweg nicht möglich.
    Für viele Familien fällt eine solche Anreise somit leider aus. Nur so mal als Überlegung…
    Ob wir mal hinfliegen, wird sich also zeigen…

    1. Hallo Maren,
      schön, dass dir der Artikel gefällt.
      Korfu ist eine der grünsten Inseln Griechenlands und von den Temperaturen her auch im Hochsommer gemäßigter als zum Beispiel Kreta oder die Türkei.
      Die Saison in unseren Reisezielen auf Korfu beginnt Anfang Mai. Damit kommen für dich mit schulpflichtigem Kind neben den Sommerferien die Pfingstferien (Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg) oder die Herbstferien (diverse andere Bundesländer) in Frage. Der Anreisetag ist der Samstag, jedoch zeigen wir uns bei Anreise ohne Flugzeug kulant, was den Anreisetag betrifft, um diese alternative Anreiseform zu unterstützen. Wir freuen uns auf deine Anfrage und schauen gerne, was wir möglich machen können.

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