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0,0 Katja B. | 15.09.2018

Ferien im Holzwagen mit 1 PS – der Traum von Entschleunigung

Ein Fernsehbericht hat uns auf die Idee gebracht und nach einiger Recherche fiel unsere Wahl auf die Ferien in der Roulotte (Holzwagen) mit französischem Kaltblut in den Vogesen.

Mein Partner brachte fundierte Pferdekenntnisse mit, wir beide rudimentäre Sprachkenntnisse durch ein paar Jahre Schulfranzösisch und die Hoffnung auf Entschleunigung und einen entspannten Urlaub der eher ungewohnten Art. Wir sollten nicht enttäuscht werden.

Vor Ort wurden wir durch Françoise nett begrüßt und zunächst in den Wagen eingewiesen, was sehr unkompliziert war. Für ein paar wichtige Fakten hatte sie sogar deutsche Übersetzungskärtchen (z. B. zur Handhabung der Gasflasche, zum Inventar und zum Wasserkanister für das Pferd). Nachdem wir uns im gemütlichen Holzwagen eingerichtet hatten, erfolgte auch bald die Einweisung ins Einspannen durch Jacky. Das war super. Er hat eine Seelenruhe und einen sympathischen Humor, wir haben ganz entspannt den Umgang und das Anschirren mit dem Pferd gelernt.

Nach der Einweisung hieß es dann Feierabend, denn die erste Nacht muss man ja auf dem Hof verbringen. Warum, haben wir nicht recht verstanden, wir wären lieber am Nachmittag die ersten Kilometer zum nächsten Hof gezuckelt, um das Abenteuer gleich zu beginnen. Vielleicht will man aber sichergehen, dass alles richtig verstanden wurde und sitzt und kann so eventuell aufkommende Fragen klären, also auch gut. Unser Wagen stand auf einem Parkplatz mit angrenzendem Wiesenstück mit Picknickplatz, angrenzender riesigen Pferdekoppel und neuen sanitären Anlagen, dazu gibt?s direkt im Haus ein Restaurant. Die Wagen stehen dicht an dicht, es gibt 3 sehr kleine Toiletten, einen Waschraum, der nicht nach Frauen und Männern getrennt ist (die Duschen kann man aber mittels Türen schließen), also nicht super komfortabel oder gar "romantisch", aber funktional und alles sauber. Das Essen im Restaurant war bezahlbar und gut.

Unsere Tour startete dann mit Orpheé am nächsten Vormittag, auch bei uns ging Jacky eine Weile nebenher, um das Bremsen zu üben, und dann waren wir uns selbst überlassen. Eine tolle Erfahrung, ein bisschen aufregend, aber Orpheé hatte - wie vermutlich alle Pferde hier - die Ruhe weg. Nur ein einziges Mal schreckte sie auf, als ein Anhänger mit wehenden Planen auf uns zukam, trabte kurz an, ließ sich aber ganz schnell bremsen und war schon nach kürzester Zeit wieder tiefenentspannt.

Auf den 3 Höfen, die wir in unserer verkürzten Tour (Do. bis Mo.) anfuhren, mit der Schweizer Familie Lanz, Monsieur Thevenot, dem Bauern, der immer ein paar Brocken Deutsch einstreute, und Renate + Karl-Friedrich war es jeweils wunderbar - überall auf seine Art und Weise. Die Gastgeber waren alle sehr nett, sie haben sich super um uns und unser Pferd gekümmert, immer gab es auch Möglichkeiten, sich mit Getränken, Snacks, Obst und Gemüse zu versorgen, die Verköstigung bei Renate (nur bei ihr hatten wir das Angebot von Abendessen und Frühstück in Anspruch genommen) war einfach sagenhaft und dazu gabs bei ihr auch ein unbezahlbares Rahmenprogramm: Sie hatte eine zahme Elster, die uns viel Spaß bereitete, zahme Schafe zum Streicheln und wir durften im angrenzenden Weiher Boot fahren, das war einfach genial! Auch die Gespräche mit den offenen und freundlichen Familien waren toll und sehr informativ, das alles hat die ohnehin schon schöne Kutschfahrt noch unheimlich aufgewertet und uns einen spannenden Einblick in das Leben auf einem Hof der Region gegeben. In 2 von 3 Familien gabs also auch keinerlei Sprachbarrieren, wir fühlten uns überall willkommen und sehr gut aufgehoben!

Kleiner Hinweis: Lampe/Taschenlampe mitnehmen! Im Wagen gibt es zwar Strom und Licht, aber nicht immer war die Umgebung beleuchtet, und wenn man nachts nochmal zur Toilette musste, ging es oft übers unebene Gelände oder über eine Straße, durch einen Hof oder auch mal eine steile Treppe rauf, da hat sich transportables Licht bewährt.

Leider gab es außer Natur wenig zu sehen; es ist ein Trauerspiel, wie viele Höfe und Häuser verlassen und dem Verfall preisgegeben sind. Auch Sehenswürdigkeiten wie Tierparks oder Schlösser sind ohne Auto zu weit weg, einzig bei den Lanz gibt es eine türkisfarbene Quelle (Source du Planey) in 3,5 km Entfernung, zu der sich eine Wanderung lohnt (den Tipp bekamen wir netterweise von der Familie). Und wir fanden schade, dass die ersten 2 Tages-Etappen so kurz waren (je 10 km) und jeweils der Haltepunkt nach 6-7 km etwas deplatziert, denn nach knapp 2 Stunden Fahrt hat man 2 Stunden Pause (Vorgabe und nötig für das Pferd!), dann angespannt, sich auf die Weiterreise gefreut, und war nach 40 Minuten und damit mittags zwischen 14 und 15 Uhr schon am Ziel, wo man dann den Rest des Tages mehr oder weniger verbummeln musste, weil es da ja nichts zu tun oder anzusehen gibt. Die beiden nächsten Tagestouren gingen dann 13 und 15 km, das hat sich dann schon stimmiger angefühlt, weil man einfach etwas länger unterwegs war.

Kleiner Hinweis zu dem Wagen:
Der Holzwagen ist superschön und urgemütlich, aber doch eine ziemliche Belastung für das Pferd. Wir sind bei den ständigen leichten Steigungen (und erst recht bei den starken!) dauernd abgestiegen, nebenhergelaufen und haben auch oft hinten geschoben in der Hoffnung, dass es etwas hilft. Das war nicht ganz die Art kutschieren, die wir uns vorgestellt hatten. Eher das Gefühl, einen Umzug von A nach B mithilfe des Pferdes zu bewerkstelligen. Und wenn da 4 Leute mitfahren und noch Räder draufpacken, wird es wirklich eng! Ich kann also nur empfehlen, einen leichteren Wagen (den roten zum Übernachten oder gar den Planwagen ohne Übernachtungsmöglichkeit) zu wählen, weil man da vermutlich mehr Spaß am Fahren hat, öfter mal zusammen sitzenbleiben kann und dem Pferd gegenüber kein so schlechtes Gewissen hat! Ich möchte aber dabei betonen, dass die Pferde in einem sehr guten Allgemeinzustand sind und nur die kräftigen für diese Wagen bereitgestellt werden. Also alles noch ok und bei nicht zu heißen Tagen mit ausreichend Pause gut zu machen, aber das nächste Mal würden wir doch eine leichtere Kutsche wählen - für das Pferd und für uns! Denn wir sind viel nebenhergelaufen und auf 90 % der Strecke war ich zu Fuß schneller als das Pferd mit Wagen!

Abgesehen davon war das Schlagen der Stangen vorn (Blech auf Blech) und das Quietschen des Verschlusses des Kummets so laut, dass das schöne Hufgeklapper schon ziemlich übertönt wurde. Am schlimmsten jedoch war das schreckliche Quietschen der Bremsen, die man dauernd betätigen musste - das hat das Naturerlebnis doch deutlich geschmälert, denn man hat damit jedes Reh im Wald verschreckt. :-)

Achtung auch bei den Wegbeschreibungen: Zweimal stimmten unsere nicht mit den "Roulez nature"-Hinweisschildern überein und wir waren recht verunsichert. Das habe ich aber an die Veranstalter weitergegeben, da wird vermutlich nochmal dran gearbeitet und es hat ja auch nicht jeder die gleiche Strecke oder wie wir ein Pferd, das eine andere, alte Strecke gut kannte und daher lustig zwar dem richtigen Schild folgte, aber den neu gestalteten Picknickplatz die Straße runter, den wir zuvor aufsuchen sollten, dabei kurzerhand ausließ. War aber alles kein Drama, wir kamen immer ohne Umwege an, blieben durch die Schilder auch auf der pferdesicheren Route, mussten dann aber einmal vor einem Friedhof Rast machen, weil es auf der Landstraße nach dem verpassten Platz sonst keine Bucht für uns gab.

Wir haben bei der verkürzten Tour den Wagen nachmittags abgeben dürfen und dann die 4-stündige Heimreise angetreten. Bei einer Wochentour ist vorgesehen, die letzte Nacht auf dem Hof zu verbringen und den Wagen früh morgens abzugeben - das hätte uns nicht gefallen, weil wir dann die Reise nicht mit den wunderbaren Erlebnissen und Eindrücken von der Route und den Höfen beendet hätten. So aber war es für uns perfekt! :-)

Zusammenfassend kann ich sagen: Unbedingt mal machen! Man entschleunigt wirklich, denn da gibt es nichts, und doch so viel: weite Landschaften, Greifvögel, liebenswerte Pferde, einen Hauch von Abenteuer und Vagabundenleben mit der Gewissheit, wenn mal was sein sollte, nicht allein zu sein, freundliche, hilfsbereite Menschen, tolle Gespräche, viele zahme und weniger zahme Tiere, einen sagenhaften Sternenhimmel in der Nacht und viel, viel Stille.

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