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0,0 Annette L. | 10.09.2016

Familienurlaub auf Lanzarote

Ich war im August 2016 mit meinen beiden Kindern (9 und 11 Jahre) auf Lanzarote.

Wir haben uns tierisch auf diesen Urlaub gefreut, weil wir 2015 mit Renatour bereits sehr gute Erfahrung in dem Familiencamp Odysseus in der Türkei gemacht haben. Hier auf Lanzarote war es jedoch etwas anders als im Familiencamp, denn alle reisen irgendwann an und irgendwann ab, was Ferienfreundschaften der Kinder nicht unbedingt unterstützt. Aber wir waren auf Anhieb von der schönen ruhigen Anlage und den beiden tollen Pools im liebevoll angelegten und sehr gepflegten Garten begeistert! Die Kinder haben die ersten Tage praktisch komplett im Pool verbracht.

Das Apartment ist sehr schön eingerichtet mit gemütlichem Sofa und Sessel, großer Terrasse, kleiner, gut eingerichteter Küche und sogar einer Badewanne. Sage und schreibe 3x pro Woche wurde gereinigt, das war für uns der Luxus pur, toll! Als einzige Erwachsene mit zwei Kindern haben die Kinder das Schlafzimmer mit zwei zusammen gestellten Betten bekommen, während ich auf dem Sofa vor einem ordentlich lauten Kühlschrank schlafen durfte. Obwohl wir ein 3-Personen-Appartment gebucht hatten, ist das Wohnzimmer nicht wie das Schlafzimmer verdunkelbar, so dass ich pünktlich mit der Morgensonne wach geworden bin. Das und der laute Kühlschrank standen leider recht konträr zu meinem Erholungsbedürfnis.

Am vierten Tag sind wir das erst Mal an den Strand gegangen, und das hat mich dann negativ überrascht: Der Weg zum Strand war 1km, nicht wie von Renatour angegeben 900m. Klingt kleinlich, aber 100m machen mit Kindern einen gewaltigen Unterschied, zumal der Weg vom Strand zurück 1km BERGAUF ging! Alleine mit zwei müden Kindern bei 30 Grad den Berg hinauf laufen samt Strandgepäck macht wahrlich keinen Spaß. Es war auch kein netter Bummel durch ein hübsches Fischerdörfchen, wie die Beschreibung suggerierte, sondern einfach eine karge heiße Straße bergauf. Wir sind in den folgenden Tagen dann einfach lange am Strand geblieben samt Abendessen, so daß wir erst in der kühlen Abendluft den Aufstieg gewagt haben.

Im Centro lagen Listen mit hauseigenen Kreativ- und Kultur-Angeboten aus sowie Prospekte für Inselausflüge. Diese Angebote waren für uns leider viel zu teuer: Inselspaziergang auf Lanzarote für 35¤/Personen, Kindertauglichkeit stand gar nicht erst nicht dabei. Selbst mit 50% Kinderermäßigung gehe ich nicht für 70¤ mit zwei Kindern spazieren. Labyrinth-Malen, Origami-Falten, Puppen filzen, Malen mit Pflanzenfarben etc. sah alles wunderschön aus, bei 15-30¤/Person für mich als Alleinerziehende mit 2 Kindern allerdings unbuchbar. Der günstigere Poesieabend für 5¤ war offensichtlich nur für Erwachsene und auch Eurythmie in der Gruppe für 8¤ sah nicht nach Familienveranstaltung aus. Insgesamt war das Angebot eher auf Erwachsene als auf Familien mit Kindern zugeschnitten. Für das Puppenfilzen haben wir einen Freundschaftspreis bekommen, so dass wir wenigsten EIN Angebot wahrnehmen konnten. Die Inselausflüge der Firma "First Minute" lasen sich ganz interessant, waren aber für uns drei mit 67¤ für die Südtour zum Nationalpark Timanfaya und "Gartis-Weinprobe" (spitze: mit zwei Kindern, und bei 33Grad trinke ich um 14 Uhr keinen Wein) zuzügl. Mittagessen und Dromedar-Reiten auch nicht billig. Andere Ausflüge waren noch teurer. Sämtliche medizinischen und therapeutischen Angebote des Therapiehauses sind für uns ebenso nicht finanzierbar.

Was sehr schön war und uns großen Spaß gemacht hat, war das Klangtheater, quasi eine Märchenstunde, bei dem sämtliche Kinder mitspielen durften, sowie das Singen und der Folklore-Abend. Von solchen Gemeinschaftserlebnissen, bei denen wir gerne eine Spende gegeben haben (aber eben nicht 15¤/Person) hätten wir uns mehr gewünscht.

Wir hatten Übernachtung und Frühstück gebucht und wollten spontan entscheiden, ob wir selber kochen oder im Restaurant des Centro oder im Städtchen essen. Die Organisation des Essens im Restaurant war allerdings kompliziert: bis 16 Uhr sollte angemeldet werden, was wir essen. Das war dann z.T. trotzdem nicht da. Spontan zu Abend essen ging nicht, außer Tiefkühlpizza, die gabs immer, lecker ;-( Tapas gabs nicht, obwohl überall angepriesen (oder war das die Tiefkühlpizza?). Zu Mittag gab es Kanarische Kartoffeln oder Pommes, alles andere waren Hauptgerichte ab 9¤ aufwärts, also hier auch keine Tapas. Und natürlich die Tiefkühlpizza, abwechselnd mit Ravioli aus der Tüte. Das ist unser Notfall-Essen zu Hause, wenn ich arbeiten muß und die Kinder alleine sind, für den Urlaub hatte ich mir das anders vorgestellt. Ich war mit den Kindern mal im Hafen von Puerto del Carmen in einer Tapas-Bar: für 20¤ hatten wir einen Tisch voller Köstlichkeiten für drei Leute, das hätte ich mir für das Centro sehr gewünscht! Die Bedienung im Restaurant sprach teilweise kein Wort Englisch oder Deutsch, was bei 80% Deutschen und 20% Engländern und diesem komplizierten System extrem ungünstig ist.

In der Folge sind wir dann einfach lange am Strand geblieben (Aufstieg tagsüber zu heiß, Angebote im Centro eh zu teuer, Essen kompliziert und nicht lecker). Allerdings ist auch ein Strandtag in Puerto del Carmen nicht billig: wenn man nicht im glühenden Sand liegen möchte, ist man für 3 Liegen und 2 Schirme schon 20¤/Tag los, dazu Mittag- und Abendessen, dazwischen ein Eis. Also auch ohne Ausflug oder Kreativ-/Kultur-Angebot wird man ohne groß Nachzudenken täglich 50-80¤ los, es sei denn wir kaufen beim Lidl um die Ecke ein und kochen sämtliche Mahlzeiten täglich selber. Ohne Spülmaschine im Apartment, beschäftigt mit Einkaufen, Kochen und Abwaschen sinkt dann der Erholungswert weiter ins Minus.

Sämtliche Mitarbeiter des Centro waren sehr freundlich und hilfsbereit! Es wurde geplaudert und beraten und wir haben uns dort gut aufgehoben gefühlt. Die anderen Gäste waren durchweg nette Menschen und die Kinder haben viele Freunde gefunden. Das Zielpublikum einer anthroposophischen Ferienanlage ist eben per se wesentlich angenehmer als in einer Pauschal-Ferienanlage vom Billiganbieter. Das Wetter war toll und die Insel ist faszinierend, der Strand ist umwerfend (es gab sogar eine Hüpfburg im Wasser) und der Hafen gemütlich. Aber durch die beschriebenen Umstände war ich sehr mit Nachrechnen unseres Ferienbudgets beschäftigt bei gleichzeitiger Wahrung eines Ferienerlebnisses (ich möchte mich erholen, gut essen und nicht finanziell zu Grunde richten). Wer nicht aufs Geld schauen muss, kann ganz sicher einen großartigen Urlaub im Centro de Terapia Antroposofica erleben, mit Massagen, therapeutischen Gesprächen, Malen auf Lavasteinen, unvergesslichen Wanderungen über die Insel und weiteren Ausflügen. Dem Anbieter Renatour würde ich dringend raten, die anfallenden Kosten für örtliche Späße wie Ausflüge, Kreativ-/Kulturangebote und auch die Preise im Restaurant näher zu beziffern, damit man eine Entscheidungsgrundlage hat, bevor man solch eine Reise bucht.

Kommentar von ReNatour: Es gibt zu den Stränden verschiedene Wege. Der kürzeste ist 900 m lang. Das Wander-, Ausflugs- und Kulturprogramm ist vielseitig und ändert sich wöchentlich. Auf Anfrage geben wir gern Auskunft über das aktuelle Ausflugs- und Kulturprogramm mit Preisen.

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